MODUL I

Über die genetische Züchtung hinaus:

Aufbau eines widerstandsfähigen Produktionssystems im Kartoffelanbau.

Jordi Fumadó
Technisch-kaufmännischer Koordinator
IN DIESEM ABSCHNITT
Introducción



MODUL I. Über die Genetik hinaus

1. Kartoffelanbau: Einführung in die Probleme

Der Kartoffelanbau befindet sich im Wandel. Markt und Gesellschaft fordern zunehmend nachhaltige Produktionssysteme, während die Landwirte die Rentabilität und Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe erhalten müssen.

Diese gesellschaftlichen Forderungen hatten direkte Auswirkungen auf Politik und Regulierung im Pflanzenschutz. In Europa führte dies zu einer umfassenden Überprüfung des Rechtsrahmens für Pflanzenschutzmittel. Die Richtlinie 91/414/EWG führte die Bewertung der damals zugelassenen Wirkstoffe ein und initiierte ein umfassendes Prüfverfahren auf Grundlage von Sicherheitskriterien. Die Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 bekräftigte diese Kriterien anschließend nach einer wissenschaftlichen Neubewertung der Wirkstoffe.

Infolgedessen wurden über 70 % der verfügbaren Wirkstoffe aufgrund ihrer potenziell negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die Tiergesundheit oder die Umwelt vom Markt genommen.

Seit Jahrzehnten ist die genetische Züchtung eines der wichtigsten Instrumente zur Steigerung der Erträge und ein Schlüsselfaktor bei der Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten durch die Einführung neuer Sorten mit höherer Toleranz oder Resistenz.

Der aktuelle Kontext erfordert jedoch weitergehende Maßnahmen. Die Widerstandsfähigkeit des Systems kann nicht allein auf dem Sortenpotenzial beruhen, sondern muss auf einem ausgewogenen agronomischen Modell basieren, in dem Genetik, Bodengesundheit, Mikrobiologie, agronomisches Management und Pflanzenschutzstrategien integriert zusammenwirken.

Heute bedeutet Nachhaltigkeit im Kartoffelanbau nicht, weniger zu produzieren, sondern besser zu produzieren: den Boden als lebendiges Ökosystem zu stärken, die Anfälligkeit für Krankheitserreger zu verringern, Betriebsmittel zu optimieren und die Produktivität Saison für Saison zu erhalten.

2. Die Kultivierung als komplexes System verstehen

Aus agronomischer Sicht ist der Kartoffenanbau als komplexes System mit vielen Einflussfaktoren zu verstehen, in dem Boden-, Klima-, mikrobiologische und Managementfaktoren zusammenwirken.

Bodenstruktur, Gehalt an organischer Substanz und biologische Aktivität beeinflussen die Wurzelentwicklung und die Fähigkeit der Wurzeln, das Bodenprofil zu durchdringen. Der Wasserhaushalt wiederum beeinflusst die Sauerstoffversorgung, die Nährstoffverfügbarkeit und das Auftreten bodenbürtiger Krankheiten.

In diesem Zusammenhang stellt die sortenspezifische genetische Resistenz einen ersten Schritt zur Verringerung der Anfälligkeit gegenüber bestimmten Krankheitserregern dar. Die genetische Züchtung hat die Integration spezifischer Toleranzen und eine verbesserte Leistung gegenüber bestimmten Krankheitserregern ermöglicht;ihre Wirksamkeit hängt jedoch maßgeblich von den Umweltbedingungen und den angewandten Anbaumethoden ab.

Krankheitserreger agieren nicht isoliert. Sie sind Teil eines dynamischen Gleichgewichts, dessen Aggressivität vom Infektionsdruck, dem physiologischen Zustand der Pflanze und der biologischen Stabilität der Rhizosphäre abhängt. In strukturell geschädigten oder mikrobiologisch unausgewogenen Böden können selbst ertragreiche Sorten Symptome zeigen und den Ertrag mindern.

3. Klassifizierung von Kartoffeln nach ihrem kommerziellen Bestimmungsort

Der Verwendungszweck von Kartoffeln bestimmt nicht nur ihre kommerzielle Bestimmung, sondern beeinflusst auch direkt die Sortenwahl, die Düngungsstrategie, das Bewässerungsmanagement, die Hygieneanforderungen sowie die gesamte technische Herangehensweise an den Anbau.

Darüber hinaus kann dieser Bestimmungszweck innerhalb von zwei unterschiedlichen Produktionssystemen umgesetzt werden – konventionell oder ökologisch –, was eine zusätzliche Variable hinsichtlich der verfügbaren Betriebsmittel, des Krankheitsdrucks und der zulässigen Eingriffsmöglichkeiten darstellt.

Folglich hängt das endgültige Produktionsergebnis nicht allein vom genetischen Potenzial der Sorte ab, sondern auch von der Übereinstimmung zwischen Verwendungszweck, Produktionssystem und technischem Management.

Innerhalb dieser produktiven Klassifizierung lassen sich drei Hauptkategorien unterscheiden:

Konventionell oder ökologisch
PflanzkartoffelnOSpeisekartoffelnOIndustriekartoffeln

Saatkartoffel

Saatkartoffeln bilden die Grundlage des Produktionssystems. Ihr Hauptzweck besteht in der Sicherstellung der genetischen Vermehrung unter kontrollierten hygienischen Bedingungen.

Dabei steht nicht der unmittelbare kommerzielle Ertrag im Vordergrund, sondern vielmehr die Sortenreinheit sowie die Abwesenheit übertragbarer Krankheitserreger.

Europäische Regulierung und Zertifizierung: die phytosanitäre Grundlage des Systems

Saatkartoffeln in der Europäischen Union werden durch die Richtlinie 2002/56/EG geregelt. Diese legt die offiziellen Kategorien – Vorstufenpflanzgut, Basispflanzgut und zertifiziertes Pflanzgut – sowie die Mindeststandards für hygienische Qualität und Sortenreinheit für deren Vermarktung fest. Dieser gemeinsame Rahmen wird durch die nationale Gesetzgebung der einzelnen Mitgliedstaaten weiter ausgestaltet und überwacht.

In diesem Zusammenhang gelten die Niederlande als internationaler Maßstab. Die Zertifizierung ist in der nationalen Saatgutgesetzgebung geregelt und wird von der NAK (Nederlandse Algemene Keuringsdienst) verwaltet.

 
NAK-Logo

Pflanzengesundheitspass: Garantie für Rückverfolgbarkeit und Pflanzengesundheit

Zusätzlich zur amtlichen Zertifizierung ist für das Inverkehrbringen von Saatkartoffeln in der Europäischen Union die Ausstellung eines Pflanzengesundheitspasses erforderlich, der durch die Verordnung (EU) 2016/2031 über Pflanzengesundheit geregelt ist.

Dieses Dokument bestätigt, dass das Pflanzenmaterial unter amtlicher Kontrolle produziert wurde und die festgelegten phytosanitären Anforderungen zur Verhinderung der Einschleppung und Verbreitung schädlicher Organismen erfüllt. Der Pflanzengesundheitspass gewährleistet die Rückverfolgbarkeit der Charge innerhalb der Europäischen Union und stellt ein Schlüsselelement für die Gesundheit und Sicherheit des Produktionssystems dar.

VERMARKTUNGSFÄHIGE PFLANZKARTOFFELN
Richtlinie 2002/56/EG
+
PFLANZENGESUNDHEITSPASS
Verordnung (EU) 2016/2031

4. Sortenresistenz im Kartoffelanbau

Die Sortenresistenz war historisch gesehen ein Eckpfeiler der Krankheitsbekämpfung im Kartoffelanbau. Durch genetische Züchtung konnte die Anfälligkeit gegenüber wichtigen Krankheitserregern deutlich reduziert werden, was zu einer höheren Ertragsstabilität und einer geringeren Abhängigkeit von externen Eingriffen beiträgt.

Allerdings ist es unerlässlich, den Begriff der Resistenz und seine Funktionsweise richtig zu verstehen, um seine Bedeutung nicht zu überschätzen.

Genetische Resistenz bedeutet nicht Immunität. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Veränderung der Wechselwirkung zwischen Pflanze und Krankheitserreger, die die Infektion einschränkt, die Krankheitsentwicklung verzögert oder deren Auswirkungen auf den Ertrag verringert. Es handelt sich um ein biologisches Gleichgewicht und nicht um eine vollständige Beseitigung des Risikos.

Resistenztypen: Intensität und Stabilität

Aus funktionaler Sicht lässt sich die Reaktion einer Pflanzensorte auf einen Krankheitserreger auf einem Kontinuum einordnen, das Intensität und Stabilität miteinander verbindet.

Am einen Ende steht die Toleranz, bei der die Pflanze zwar infiziert werden kann, jedoch einen Großteil ihres Ertrags beibehält. Weiter entlang des Spektrums finden sich partielle oder quantitative Resistenzen, die in der Regel polygen sind, die Krankheitsentwicklung verlangsamen und tendenziell über längere Zeit stabiler bleiben.

Am anderen Ende des Spektrums stehen spezifische oder vertikale Resistenzen, die auf einem oder wenigen spezifischen Genen beruhen, welche bestimmte Stämme des Krankheitserregers erkennen. Diese Art von Resistenz kann im Feld einen intensiven und leicht erkennbaren Schutz bieten, ihre Stabilität hängt jedoch stark von der Evolutionsfähigkeit des Krankheitserregers ab.

Die sogenannte Langzeitresistenz hängt nicht nur von der Intensität der Abwehrreaktion ab, sondern auch von ihrem Verhalten über verschiedene Anbausaisons, Umweltbedingungen und unterschiedliche Krankheitsdrücke hinweg. In der Praxis ist sie meist mit komplexeren und schwerer zu überwindenden Mechanismen verbunden.

Entscheidend ist daher nicht nur, wie stark eine Resistenz schützt, sondern auch, wie lange sie diesen Schutz aufrechterhalten kann und unter welchen Bedingungen.

Wie entstehen neue resistente Sorten?

Die genetische Züchtung hat unterschiedliche Wege beschritten, um Resistenzen in Kartoffeln zu etablieren.

Eine klassische Strategie war die Einkreuzung von Genen aus Wildarten der Gattung Solanum. Im Fall der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) ermöglichten Gene aus Solanum demissum die Entwicklung von Sorten mit hoher Resistenz gegenüber bestimmten Rassen des Erregers.

In jüngerer Zeit wurde versucht, durch die Kombination mehrerer Loci mit geringer Einzelwirkung (polygene Resistenz) stabilere Reaktionen zu erzeugen und so den Selektionsdruck auf den Erreger zu verringern. Diese Loci entsprechen unterschiedlichen Positionen auf einem oder mehreren Chromosomen, die Gene oder genetische Marker enthalten und gemeinsam zur Resistenz beitragen.

Die markergestützte Selektion hat diese Prozesse beschleunigt und ermöglicht die Identifizierung resistenter Genotypen bereits in frühen Phasen des Züchtungsprogramms. International stellen Genomeditierungstechniken ein wachsendes Forschungsfeld dar, auch wenn ihre Anwendung in Europa durch den bestehenden regulatorischen Rahmen eingeschränkt ist.

In allen Fällen bleibt das Ziel dasselbe: die Anfälligkeit der Kulturpflanze gegenüber strukturell bedingten Krankheiten zu verringern.

Mehltau (Phytophthora infestans)

Die Geschichte des Falschen Mehltaus verdeutlicht die Dynamik zwischen Pflanze und Krankheitserreger. Die vertikale Integration spezifischer R-Gene (S. demissum) ermöglichte für eine gewisse Zeit die effektive Bekämpfung bestimmter Erregerpopulationen. Die hohe evolutionäre Kapazität von Phytophthora infestans begünstigte jedoch das Auftreten neuer Rassen, die diese Resistenzen überwinden konnten.

Dieses Phänomen widerlegt nicht die genetische Verbesserung, sondern zeigt, dass die vertikale Resistenz beeinträchtigt werden kann, wenn ein intensiver und anhaltender Selektionsdruck ausgeübt wird.

Was sind R-Gene?

R-Gene (Resistenzgene) sind spezifische Gene in der Pflanze, die es ihr ermöglichen, bestimmte Proteine des Krankheitserregers (Effektoren) zu erkennen und eine schnelle Abwehrreaktion auszulösen.

Im Falle der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) funktionieren die R-Gene nach dem Gen-für-Gen-Modell: Ein pflanzliches R-Gen erkennt ein Avirulenzgen des Pathogens. Erfolgt diese Erkennung, wird eine lokale Abwehrreaktion ausgelöst, die die Infektion stoppen kann.

Wenn sich der Erreger jedoch weiterentwickelt und den erkannten Effektor verändert oder verliert, kann die Resistenz zusammenbrechen. Dies erklärt die geringere Stabilität vertikaler Resistenzen, die auf einem oder wenigen Genen beruhen.

Neue Strategien der genetischen Züchtung zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule basieren auf polygenen Resistenzen, die durch zahlreiche Gene mit geringer Einzelwirkung getragen werden. Diese verlangsamen die Infektion, verringern den Bedarf an Fungiziden und bieten einen länger anhaltenden Schutz als frühere vertikale Resistenzen, die auf einzelnen R-Genen beruhen.

Nematoden (Globodera rostochiensis)

Ein typisches Beispiel für spezifische Resistenz im Kartoffelanbau ist die Resistenz gegen Globodera rostochiensis, die in einige Züchtungsprogramme integriert wurde.

Eines der bekanntesten Beispiele ist das H1-Gen, das häufig zur Bekämpfung bestimmter Kartoffelzystennematoden eingesetzt wird. Dieser Fall verdeutlicht, wie solche spezifischen Resistenzen im Rahmen von Sortenzüchtungsstrategien funktionieren.

Was ist das H1-Gen?

Das H1-Gen ist ein spezifisches Resistenzgen, das in einigen Kartoffelsorten vorkommt und Resistenz gegen bestimmte Pathotypen des Kartoffelzystennematoden (Globodera rostochiensis) verleiht.

Es funktioniert ebenfalls nach dem Gen-für-Gen-Modell: Wenn der Nematode den vom H1-Gen erkannten Faktor trägt, aktiviert die Pflanze eine Abwehrreaktion, die die normale Entwicklung des Parasiten in der Wurzel verhindert.

Diese Resistenz ist jedoch spezifisch für bestimmte Pathotypen (hauptsächlich Ro1 und Ro4). Wenn im Boden andere Populationen vorherrschen oder sich der Nematode weiterentwickelt, kann ihre Wirksamkeit beeinträchtigt werden. Dies verdeutlicht erneut die geringere Stabilität von Resistenzen, die auf einem oder wenigen Genen beruhen.

5. Grenzen des Widerstands als alleinige Strategie

Genetische Resistenz beeinflusst die Interaktion zwischen Pflanze und Krankheitserreger, verändert jedoch nicht zwangsläufig andere strukturelle Faktoren des Produktionssystems.

 

• Sie korrigiert keine Ungleichgewichte in der Bodenmikrobiologie.

• Sie reduziert nicht von selbst den im Versuchsfeld angesammelten Infektionsdruck.

• Sie beseitigt nicht den Einfluss von Boden- und Klimabedingungen, die für den Krankheitserreger günstig sind.

• Sie ersetzt keine sachgerechte agronomische Bewirtschaftung.

Darüber hinaus kann Sortenresistenz, wenn sie als alleiniges Instrument eingesetzt wird, einen Selektionsdruck erzeugen, der die Entstehung neuer pathogener Varianten begünstigt. Daher sollte Sortenresistenz zwar als wirksames Instrument verstanden werden, jedoch stets in ein umfassenderes System eingebettet sein. Ihre tatsächliche Wirksamkeit hängt vom jeweiligen Anwendungskontext ab.

Und genau dieser Kontext – Bodenbeschaffenheit, Mikrobiologie, Management und ergänzende Strategien – entscheidet darüber, ob genetische Resistenz zu einem strukturellen Vorteil oder zu einer lediglich vorübergehenden Lösung wird.

6. Die strukturellen Grenzen der Resistenz als alleinige Strategie

Genetische Resistenz ist ein grundlegendes Instrument, doch produktive Resilienz entsteht nicht ausschließlich durch das Genom. Sie entsteht durch das gesamte System.

Ein resilientes System beseitigt Risiken nicht, sondern reduziert deren strukturelle Anfälligkeit. Dies erfordert gleichzeitiges Handeln auf mehreren Ebenen: Genetik, Bodenmikrobiologie, agronomisches Management und ergänzende Bekämpfungsstrategien.

Bevor wir auf resistente Sorten eingehen, müssen wir zunächst die zugrunde liegende Strategie betrachten.

Strategien zum Aufbau von Resilienz

Ein resilienter Ansatz kombiniert verschiedene Instrumente, die auf unterschiedliche Dimensionen des Produktionssystems einwirken:

• Sortenvielfalt zur Verringerung des Selektionsdrucks.
• Bodenmanagement mit dem Ziel, die Bodenstruktur und die biologische Aktivität zu verbessern.
• Ausreichend lange Fruchtfolgen.
• Reduzierung des Ausgangsinokulums (Solarisation, Biofumigation …).
• Integration biologischer Pflanzenschutzmaßnahmen.
Die Rolle der RootDei Biocontrol in einer integrierten Strategie

In diesem Zusammenhang wird der Einsatz biologischer Bekämpfungsmittel wie RootDei Biocontrol als ergänzendes Instrument zur genetischen Resistenz betrachtet.

Biologische Bekämpfungsmikroorganismen ersetzen die genetische Resistenz nicht, sondern wirken ergänzend bei der Bekämpfung von Krankheiten im Wurzelsystem. Sie konkurrieren mit Krankheitserregern in der Rhizosphäre, reduzieren die Infektionsintensität, stimulieren die natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanze und tragen zum mikrobiologischen Gleichgewicht des Bodens bei. Dadurch stärken sie die Gesundheit der Kulturpflanze und verbessern ihre Umweltbedingungen.

Durch ihre Wirkung im Wurzelbereich verringern sie den Selektionsdruck, der ausschließlich auf Resistenzgene wirkt, und reduzieren so die Wahrscheinlichkeit des Auftretens und der Verbreitung virulenter Stämme.

Der Schlüssel liegt nicht darin, sich zwischen Genetik und biologischer Bekämpfung zu entscheiden, sondern beide Ansätze zu integrieren.

7. Resilienz als Grundlage eines nachhaltigen und produktiven Systems

Die Resilienz im Kartoffelanbau ist keine isolierte Eigenschaft, sondern das Ergebnis einer systemischen Struktur. Sie lässt sich in einer einfachen Gleichung zusammenfassen:

PRODUKTIONSSYSTEM
GENETIK
MIKROBIOLOGIE
AGRONOMISCHES MANAGEMENT
SORTENVIELFALT
RESILIENZ

Wenn diese Dimensionen koordiniert zusammenwirken, verringert das Produktionssystem seine strukturelle Anfälligkeit. Die Genetik sorgt für Abwehrkräfte; die Bodenmikrobiologie trägt zum Gleichgewicht gegenüber Krankheitserregern bei; die agronomische Bewirtschaftung moduliert die Umweltbedingungen, in denen die Pflanze wächst; und die Sortenvielfalt reduziert den Selektionsdruck auf pathogene Populationen.

Diese Integration hat direkte Auswirkungen: Sie verringert die Abhängigkeit von intensiven chemischen Eingriffen, senkt den Selektionsdruck auf Krankheitserreger und verbessert die Ertragsstabilität über mehrere Saisons hinweg. Darüber hinaus entwickelt ein biologisch aktiver Boden tendenziell eine stärkere Abwehr gegen bodenbürtige Krankheiten und stärkt so das Ökosystem von Grund auf.

Resilienz aufzubauen, beschränkt sich nicht allein auf Umweltkriterien. Es hat auch deutliche wirtschaftliche Auswirkungen. Die schrittweise Reduzierung des Einsatzes chemischer Pestizide ermöglicht weniger Abfall, die Anpassung an steigende regulatorische Anforderungen und den Zugang zu Märkten mit strengeren Standards. In bestimmten Kontexten erleichtert sie sogar den Übergang zu ökologischen oder differenzierten Produktionssystemen.

Märkte, die Wert auf umweltschonende Produktion mit besserer Rückverfolgbarkeit legen, können höhere Preise bieten, was wiederum die Rentabilität steigert. Gleichzeitig verbessert ein ausgewogenes System wichtige Produktionsparameter wie Größenhomogenität, Ertragsstabilität und Handelsqualität – Faktoren, die direkt mit dem wirtschaftlichen Wert der Ernte zusammenhängen.

Resilienz ist daher nicht nur ein technisches oder ökologisches Ziel. Sie ist eine produktive Geschäftsstrategie, die nachhaltige Rentabilität in einem zunehmend anspruchsvollen agronomischen und regulatorischen Umfeld ermöglicht.