Die Sortenresistenz war historisch gesehen ein Eckpfeiler der Krankheitsbekämpfung im Kartoffelanbau. Durch genetische Züchtung konnte die Anfälligkeit gegenüber wichtigen Krankheitserregern deutlich reduziert werden, was zu einer höheren Ertragsstabilität und einer geringeren Abhängigkeit von externen Eingriffen beiträgt.
Allerdings ist es unerlässlich, den Begriff der Resistenz und seine Funktionsweise richtig zu verstehen, um seine Bedeutung nicht zu überschätzen.
Genetische Resistenz bedeutet nicht Immunität. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Veränderung der Wechselwirkung zwischen Pflanze und Krankheitserreger, die die Infektion einschränkt, die Krankheitsentwicklung verzögert oder deren Auswirkungen auf den Ertrag verringert. Es handelt sich um ein biologisches Gleichgewicht und nicht um eine vollständige Beseitigung des Risikos.
Aus funktionaler Sicht lässt sich die Reaktion einer Pflanzensorte auf einen Krankheitserreger auf einem Kontinuum einordnen, das Intensität und Stabilität miteinander verbindet.
Am einen Ende steht die Toleranz, bei der die Pflanze zwar infiziert werden kann, jedoch einen Großteil ihres Ertrags beibehält. Weiter entlang des Spektrums finden sich partielle oder quantitative Resistenzen, die in der Regel polygen sind, die Krankheitsentwicklung verlangsamen und tendenziell über längere Zeit stabiler bleiben.
Am anderen Ende des Spektrums stehen spezifische oder vertikale Resistenzen, die auf einem oder wenigen spezifischen Genen beruhen, welche bestimmte Stämme des Krankheitserregers erkennen. Diese Art von Resistenz kann im Feld einen intensiven und leicht erkennbaren Schutz bieten, ihre Stabilität hängt jedoch stark von der Evolutionsfähigkeit des Krankheitserregers ab.
Die sogenannte Langzeitresistenz hängt nicht nur von der Intensität der Abwehrreaktion ab, sondern auch von ihrem Verhalten über verschiedene Anbausaisons, Umweltbedingungen und unterschiedliche Krankheitsdrücke hinweg. In der Praxis ist sie meist mit komplexeren und schwerer zu überwindenden Mechanismen verbunden.
Entscheidend ist daher nicht nur, wie stark eine Resistenz schützt, sondern auch, wie lange sie diesen Schutz aufrechterhalten kann und unter welchen Bedingungen.
Die genetische Züchtung hat unterschiedliche Wege beschritten, um Resistenzen in Kartoffeln zu etablieren.
Eine klassische Strategie war die Einkreuzung von Genen aus Wildarten der Gattung Solanum. Im Fall der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) ermöglichten Gene aus Solanum demissum die Entwicklung von Sorten mit hoher Resistenz gegenüber bestimmten Rassen des Erregers.
In jüngerer Zeit wurde versucht, durch die Kombination mehrerer Loci mit geringer Einzelwirkung (polygene Resistenz) stabilere Reaktionen zu erzeugen und so den Selektionsdruck auf den Erreger zu verringern. Diese Loci entsprechen unterschiedlichen Positionen auf einem oder mehreren Chromosomen, die Gene oder genetische Marker enthalten und gemeinsam zur Resistenz beitragen.
Die markergestützte Selektion hat diese Prozesse beschleunigt und ermöglicht die Identifizierung resistenter Genotypen bereits in frühen Phasen des Züchtungsprogramms. International stellen Genomeditierungstechniken ein wachsendes Forschungsfeld dar, auch wenn ihre Anwendung in Europa durch den bestehenden regulatorischen Rahmen eingeschränkt ist.
In allen Fällen bleibt das Ziel dasselbe: die Anfälligkeit der Kulturpflanze gegenüber strukturell bedingten Krankheiten zu verringern.